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Ein „Urgestein“ verlässt das Thüringer Oberlandesgericht


Erstellt von Thüringer Oberlandesgericht

Das Thüringer Oberlandesgericht verliert mit dem Richter am Oberlandesgericht Stefan Schulze, der Ende August 2021 mit Erreichen der Altersgrenze in den Ruhestand tritt, einen Richter der ersten Stunde und eine Persönlichkeit, die sich um die gesamte Thüringer Justiz in besonderer Weise verdient gemacht hat.

Als das Thüringer Oberlandesgericht am 01.09.1993 seine Arbeit in Jena aufnahm, wurde Herr Schulze vom Bezirksgericht Erfurt an das Oberlandesgericht abgeordnet. Zum 01.02.1997 wurde er dann zum Richter am Oberlandesgericht ernannt. Seit September 1993, also seit 28 Jahren, prägt Herr Schulze die Rechtsprechung des 1. Strafsenats, des 1. Senats für Bußgeldsachen und des Senats für Rehabilitierungssachen, seit 1994als stellvertretender Vorsitzender dieser Senate mit.

Herr Schulze stammt aus dem heutigen Ilm-Kreis und studierte ab 1977 an der Humboldt-Universität zu Berlin Rechtswissenschaften. Seine Zeit als Richterassistent absolvierte er ab 1981 am Kreisgericht in Sömmerda, wo er auch seine erste Stelle als Richter innehatte. 1984 wechselte er nach Erfurt (Kreisgericht), um dann ab Ende Mai 1989 seine Arbeit als Richter am Bezirksgericht Erfurt aufzunehmen. Dort war er mit Strafsachen in Bezug auf Eigentumsdelikte befasst. Die Wende 1989 brachte auch für ihn unsichere Zeiten, aber zugleich neue interessante Aufgaben mit sich. So wurde Herr Schulze in eine Kommission berufen, die Ende 1989 mit der Sichtung der Unterlagen des Ministeriums der Staatssicherheit befasst war. Im Februar 1990 war er mit dabei, als mit Unterstützung von Kollegen des Landgerichts Kassel der Thüringer Richterbund gegründet wurde. Seit dieser Zeit ist Herr Schulze durchgängig im Vorstand dieser Richtervertretung tätig, zuletzt als Kassenwart. Nach der noch vor der Wiedervereinigung eingeleiteten Überprüfung der Richter wurde Herr Schulze nach einem positiven Votum des Richterwahlausschusses als Richter auf Probe in den Dienst des Freistaats Thüringen übernommen, um dann im Februar 1994 - während seiner Abordnung an das Thüringer Oberlandesgericht - zum Richter am Landgericht Erfurt ernannt zu werden.

Über seine engagierte Tätigkeit als Richter hinaus hat sich Herr Schulze auch besonders für den sozialen Zusammenhalt am Thüringer Oberlandesgericht eingesetzt. Als gebürtiger Thüringer, begeisterter Wanderer und Weinkenner hat er den Kolleginnen und Kollegen, die in der Anfangszeit zum großen Teil aus den alten Bundesländern stammten, die Schönheiten der Umgebung bei den von ihm mitorganisierten Betriebsausflügen nähergebracht. Mit Herrn Schulze als Verfasser der inoffiziellen Chronik des Gerichts verliert das Thüringer Oberlandesgericht auch einen Teil seines „Gedächtnisses“. Der Abschied von dem Richterberuf wird ihm – trotz der steigenden Arbeitsbelastung in den letzten Jahren – schwerfallen, auch wenn ihm dann viel mehr Zeit für Wanderungen rund um Jena zur Verfügung stehen wird. Die Präsidentin des Thüringer Oberlandesgerichts, Astrid Baumann, würdigt Herrn Schulze: „Mit Herrn Schulze verlässt einer der erfahrensten Strafrichter die Thüringer Justiz. Beim Oberlandesgericht wird der engagierte Kollege eine große Lücke, die schwer zu schließen sein wird, hinterlassen.“

Verfasserin der Pressemitteilung:
Richterin am Oberlandesgericht Dr. Steinle
-Pressesprecherin-